Grußwort der Evangelischen Allianz München zur „Initiative 27. Januar“
am 27.01.2008


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schwestern und Brüder,

im Namen der Evangelischen Allianz München und der mit Ihr verbundenen Gemeinden, Werke und Initiativen aus den verschiedenen Kirchen und Freikirchen danke ich den Verantwortlichen der „Initiative 27. Januar“.

Wer eine Sprache erlernt, muss diese sprechen, damit der Wortschatz aktiv bleibt. Je weniger die Sprache gesprochen wird, desto passiver wird der Wortschatz und desto weniger Nutzen hat er für den Betreffenden. Nur der aktive Umgang mit der Sprache dient dem Zweck der Sprache – Beziehungen zu leben.

Ebenso ist es mit der Geschichte.
Eine Geschichte, die nicht aktiv am Leben gehalten wird, wird eine passive Geschichte. Und eine passive Geschichte verliert zunehmend die Bedeutung ihrer Erfahrungen, Lehren und Erkenntnisse für die nachfolgenden Generationen.

Deshalb ist es wichtig, die Geschichte lebendig zu halten. Gerade die gemeinsame Geschichte des deutschen und jüdischen Volkes birgt viele Erkenntnisse und Lehren. Wenn diese beachtet werden, schützen sie das Leben und das Miteinander von unterschiedlichen Menschen.
Unsere gemeinsame Geschichte lehrt uns die Würde des Menschen ohne Ansehen seiner Herkunft, Religion und Stellung. Sie lehrt uns die Unantastbarkeit des Lebens. Sie lehrt uns aber auch die Abgründe im Menschen und dessen Verführbarkeit.

Nur wenn diese Geschichte lebendig bleibt, werden wir aus ihr lernen und den Dienst der Geschichte für die Gegenwart und Zukunft erfahren. Wohl deshalb hat Gott seinem Volk befohlen, die Geschichte immer an die nächste Generation weiterzugeben. Denn Gott will, dass unsere Geschichte dem Leben seiner Menschen dient.

Ich bin sehr dankbar, dass die „Initiative 27. Januar“ die Geschichte lebendig hält und auch vor unbequemen Themen nicht zurück schreckt.

Nur der aktive Umgang mit der Geschichte dient dem Zweck und Sinn der Geschichte. Dazu wünsche ich allen Gottes Segen.