"Warum erschrecken wir erst jetzt?"

 München - Am Vorabend des Holocaustgedenktages fand im Senatssaal des bayerischen Landtages eine Veranstaltung unter dem Thema: "Von Auschwitz nach Teheran - Gedenken an den Holocaust im Spiegel aktueller Vernichtungsdrohungen gegen Israel und das jüdische Volk", statt.

Während Pfarrer Friedrich Aschoff auf dem - mit der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Münchens, Charlotte Knobloch, und dem ehemaligen EU-Abgeordneten und Direktors der "Europäischen Koalition für Israel", Rijk van Dam, (NL), prominent besetzten Podium - zunächst vor allem die Notwendigkeit betonte, an Versöhnung und ewigem Gedenken zu arbeiten, damit die künftigen Generationen vor den Wegen, die nach Auschwitz führten gewarnt bleiben, betonte er im weiteren die"besondere Verantwortung" Deutschlands für Israel. Diese gälte es "gerade jetzt wo der Präsident des Iran, Achmadinedschab, seine Hass erfüllten Tiraden hält, die sehr stark an die Naziideologie erinnern" deutlich wahrzunehmen, "schon ganz früh energisch zu reagieren und den Brandstiftern die Mittel aus der Hand zu nehmen."

Charlotte Knobloch indessen warnte eindringlich: "Wer meint, diese Attacken des Iraners gelten nur Israel täuscht sich." Der Iran habe entsprechende Raketen und der Westen sei ihm genauso verhasst wie Israel. An die Presse appellierte Knobloch ehrlich und positiv über Israel zu berichten, sonst spiele sie der "Allianz von Islamisten und Neonazis in die Hände" Scharf kritisierte sie zudem die Kritiker Chiracs. "Endlich" sei da ein "Demokrat bereit nicht nur zu reden, sondern auch zu handeln" und schon fallen andere Demokraten über ihn her. Hier habe man aus der Geschichte nichts gelernt. Auch Hitler ließ man gewähren, bis es zu spät war.

Rijk van Dam kritisierte heftig die merkwürdige Wahrnehmung der Öffentlichkeit, wenn es um den Israelkonflikt gehe. "Jedem", so van Dam, "sei bekannt, was in der arabischen Welt über Israel gedacht wird." Keiner könne die existenzielle Bedrohung Israels leugnen. Dennoch findet sich der Westen damit ab, dass über Israel in der arabischen Welt Lügen verbreitet werden, wie die Behauptung der "Tsunami sei durch israelische Atombomben verursacht" worden. Was Amedinejad sage, sei nicht mehr oder weniger als die übliche Vorstellung unter den Arabischen Massen. "Warum erschrecken wir erst, wenn ein Präsident so was sagt?", fragte van Dam verständnislos. Besonders enttäuscht zeigte sich van Dam vom Weltkirchenrat, der zum Boykott Israels aufgerufen habe. "Warum schweigen die Kirchen wenn Ihr älterer Bruder sich in ständiger Lebensgefahr befindet?

Der Schirmherr der Veranstaltung - Landtagspräsident Alois Glück - bezeichnete den Abend in seinem von Vizepräsidentin Barbara Stamm vorgetragenen Grußwort als "Ausdruck der christlich-jüdischen Verständigung und des Dialogs – aber auch der solidarischen Verbundenheit mit Israel. Dafür" stünden "die beiden Veranstalter – die ´Initiative 27.Januar´ und das Aktionsforum ´Am Echad´."

Der Initiator der Veranstaltung, Harald Eckert, zeigte sich "erfreut und zufrieden" über den Verlauf und äußerte die Hoffnung, "dass in Zukunft durch weitere Veranstaltungen dieser Art immer mehr Menschen in Bayern für die Bedrohung durch Antisemitismus und Antiisraelismus sensibilisiert werden".

Pressemitteilung zur Holocaustgedenkveranstaltung im Landtag am Vorabend des Holocaustgedenktages  

Andreas Späth
Pressereferent der Initiative 27. Januar
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81510 München